Gehen Sie in jedes Musikgeschäft, das sein Geld wert ist, und Sie werden feststellen, dass die meisten Gitarren amerikanische Gitarren sind. Mit Ausnahme einiger japanischer Hersteller (Ibanez, ESP, Yamaha) und spanischer Konzertgitarren wurde der Großteil des Rock ’n‘ Roll auf amerikanischen Gitarren hergestellt. Und das aus gutem Grund – sie haben dieses Genre ebenso wie die E-Gitarre erfunden und stellen insgesamt die besten Instrumente zur Verfügung.

Aber das wahre amerikanische Gegenstück liegt sicherlich hinter dem Eisernen Vorhang, wo gegensätzliche politische Ideologien zu einigen unerwarteten Gitarren führten.

Und weil wir bei Uberchord in der ehemaligen Hauptstadt der DDR ansässig sind, wird sich dieser Artikel mit dem besten Gitarrenproduzenten der DDR beschäftigen: Musima.

Musima befand sich in Markneukirchen, in der Nähe der tschechischen Grenze. Das Erzgebirge der Region bot die richtigen Voraussetzungen für hochwertige Fichten, die für den Geigen- und Akustikgitarrenbau unerlässlich sind. Seit den 1700er Jahren sammelten sich in der Gegend Geigenbauer an, was Markneukirchen einen hervorragenden Stammbaum verleiht. Berühmt für seine Orchesterinstrumente, hatte die Stadt einst wahrscheinlich die höchste Konzentration von Instrumentenbauern der Welt.
Die Stadt, die für ihre Orchesterinstrumente berühmt ist, hatte wahrscheinlich einst die höchste Konzentration von Instrumentenbauern der Welt.
Die meisten Einwohner beschäftigten sich mit der Herstellung und dem Handel von Instrumenten oder der Lieferung des Rohmaterials – bald wurden Instrumente mit dem Namen Markneukirchen hoch angesehen.

Das kommunistische Regime nach dem Zweiten Weltkrieg brachte einige Veränderungen mit sich, da die Regierung bestrebt war, das Beste aus Markneukirchens Fachwissen zu machen. Im Jahr 1952 wurde Musima als Genossenschaft gegründet, in der viele Handwerker und Familienbetriebe der Stadt unter einer kollektiven Verwaltung zusammengefasst wurden.

Die ostdeutsche Regierung war bestrebt, Musima zu einem Beispiel der kommunistischen Industrie zu machen, und unterstützte das Unternehmen, das sich schnell zum größten in der DDR entwickelte. Mit 1200 Mitarbeitern in den 1980er Jahren und einer Spitzenproduktion von 360 Gitarren pro Tag exportierte Musima elektrische und akustische.

Hier sind 5 Merkmale, die Musima-Gitarren zu etwas Besonderem machen:

1. PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS

Frühere Musimas galten allgemein als anständige, preiswerte Gitarren. Die hochwertigeren Instrumente, die von den erfahreneren Handwerkern hergestellt wurden, waren meist dem Export vorbehalten. Es handelte sich oft um schöne Gitarren mit innovativem Design, auch wenn die DDR-Maschinen und die Elektronik nicht mit den US-Gitarren mithalten konnten.

2. ÄHNLICHKEIT MIT DER GEIGENFAMILIE

Der Festkörper Elektrina, der in den frühen 60er Jahren auf den Markt kam, wurde in erheblichem Maße von den Geigen entlehnt, die das Unternehmen weiterhin herstellte. Der obere Teil des Korpus ähnelte einem Cello und verlieh dem Instrument eine elegante, modernistische Ästhetik.

3. INTERESSANTE KONSTRUKTION

Die Gitarren sind jedoch vor allem für ihre Archtop-Designs bekannt. Sie klingen weich, aber funkelnd durch die Single-Coil-Tonabnehmer aus der Sowjet-Ära (etwas breiter und wärmer klingend, aber immer noch mit Single-Coil-Flimmern), auch wenn ihr dicker Hals und ihre hohe Mechanik sie seltsam spielen lassen.
Sie klingen weich, aber funkeln durch die Single-Coil-Tonabnehmer aus der Sowjet-Ära
Aber was sie am meisten unterscheidet, ist ihr Aussehen. Ungewöhnliche Lackierungen, wie Goldglanz oder Zebrastreifen in Violetttönen, oft spritzlackiert oder durch Aufkleben von dickem Perlmutt auf das Holz, verleihen den Gitarren ein manchmal schönes (manchmal grelles) Aussehen. Und einige Gitarren haben fette F-Löcher, die einem ausladenden Fu-Manchu-Schnurrbart oder Donnerkeilen ähneln.

4. SIE VERWENDETEN OFT BILLIGEN ERSATZ FÜR PALISANDERHOLZ

Ausländische Importe waren oft Mangelware: Als das exotische Palisanderholz (benötigt für Griffbretter) zur Neige ging, griff Musima auf lokal produziertes Birnbaumholz zurück. Schwarz gebeizt, hatte dieser billige Ersatz tatsächlich Eigenschaften, die dem Palisanderholz bemerkenswert ähnlich waren.

5. DIE TRUSSSTAHL

Eine weitere Anekdote betrifft den Dachstuhl. Die Gitarrenbauer von Musima konnten nicht herausfinden, wie man den Gitarrenhals dünner machen kann. Schließlich gelang es ihnen, eine Genehmigung für den Erwerb einer elektrischen Burns zu erhalten und sie nach Ostdeutschland zu importieren (die meisten westlichen Waren galten damals als Schmuggelware).

Als das begehrte englische Instrument schließlich in Markneukirchen ankam, wurde den Geigenbauern von Musima jedoch verboten, diese teure, staatlich geförderte Gitarre auseinander zu nehmen. Sie mussten sie in ein nahe gelegenes Krankenhaus bringen, wo Röntgenaufnahmen die geheime Funktionsweise des illusorischen Halsstabes enthüllten.